Comebacks und Vollkatastrophen – Talents siegen in Hürth
Gewackelt aber nicht gestolpert: für die Talents BonnRhöndorf endete das Gastspiel beim Tabellenschlusslicht in Hürth nicht mit einer bösen Überraschung. Headcoach Bea Waffenschmied war hinterher froh, dass man das Lokalderby allesamt gesund und ohne weitere Ausfälle überstanden hatte. Mit 78:62 (49:35) ging die Begegnung ohne große Glanzaspekte an die zweifellos bessere Mannschaft. In der TOYOTA 2. Damen Basketball-Bundesliga bleiben die Talents damit weiter auf Rang sechs.
Zu einem Stolperstein wurde die Auswärtsaufgabe für die Talents glücklicherweise nicht, aber ein Spaziergang war es für die Gäste wahrlich nicht in der karnevalistisch aufgeladenen Sporthalle in Hürth. „Das war – wie es zu erwarten war – kein schönes Basketballspiel“, resümierte Waffenschmied die intensiven 40 Minuten im Kölner Südwesten. Erfreulich war für die Talents, abseits vom Sieg – vor allem die Tatsache, dass mit Johanna Huppertz (seit Mitte Oktober), Karoline Steffen (Mitte November) und Sophia Müller (Dezember) drei Langzeitausfälle endlich wieder Spielpraxis sammeln konnten. In kompletter Aufstellung war man in Hürth dennoch nicht nicht angetreten, Lea Wolff (Erkältung) und Zoe Perlick (Daumen) schauten leider nur zu.
Dass der HBC dieses Lokalderby – womöglich mehr als jedes andere Spiel – nur all zu gerne gewinnen wollte, war von Beginn an klar. Was dem Aufsteiger an individuellem Basketballvermögen fehlen mochte, machte er durch Kampfgeist und eine für die Talents unangenehme Spielweise wett, die – wenn die Referees nicht zu kleinlich pfeifen – auch sehr effektiv sein kann.

So starteten die Gäste zwar gut in die Partie und Julijana Blazic‘ Dreier hätte Beruhigung verschaffen sollen (4:11, 4.), doch Hürth kam mit viel Energie und einem 13:2-Lauf zurück in das Match. Nicola Happel und Johanna Huppertz trafen zum 20:19 für die Talents und retten ihrem Team zumindest den Vorsprung im ersten Durchgang. Es begann die gewiss beste Phase der Talents, die mit einer 22:7-Serie (Dreier von Emily Scheibinger, 26:42, 17.) die Weichen auf Sieg stellen wollten. Greta Mengelkamp hielt ihre Farben auf Hürther Seite mit 11 Zählern im Spiel, zur Pause (49:35) hatte Laura Brands Distanztreffer für einen 14-Punkt-Vorsprung der Talents gesorgt.
Und es ging gut weiter für die Waffenschmied-Truppe: die BonnRhöndorfer Reboundüberlegenheit führt zu einfachen Abschlüssen am Korb. Martha Middeler brachte ihr Team mit 57:35 in Führung. Damit schienen alle Hebel auf Auswärtssieg umgelegt worden zu sein. Doch die Hausherrinnen hatten noch Pfeile im Köcher. Mengelkamp lief heiß, traf mehrfach von der Dreierlinie und nach 27 Spielminuten war Hürth auf neun Punkte herangekommen (51:60.). Von außen fiel nichts mehr für die Talents und die Zahl der Ballverluste erreichte besorgniserregende Werte. Waffenschmied sprach hinterher angesichts von 34 Turnovern ihrer Mannschaft von einer „Vollkatastrophe“ auch wenn das „wackelige“ Hürther Scouting womöglich nicht alles korrekt abgebildet hatte, was sich auf dem Court getan hatte.
Mit einer 64:51-Führung ging es für die Gäste dank der omnipotenten Middeler ins finale Viertel. Ein weiterer Dreier von Blazic (35.) hielt den HBC weiter auf Abstand, zum Ende hin stimmte dann auch die Quote von der Freiwurflinie, so dass der 78:62-Erfolg letztlich nicht mehr ernsthaft in Gefahr geriet.
„Die erste Hälfte war offensiv in Ordnung, nach der Pause waren wir insgesamt nicht mehr so präsent. Man muss aber auch sagen, dass wir mit dieser kompletteren Formation wegen der vielen Verletzungen noch nie gespielt haben vorher“, sagte die Trainerin. Martha Middeler mit einem weiteren Double-Double (22 Punkte/14 Rebounds) und Lisanne Räwer Tanguep (14 Punkte) wussten offensiv zu gefallen.
Nach der Pause aufgrund des Pokalfinales treffen die Talents Ende Februar daheim auf das Lion Pride aus Braunschweig.
Viertel: 19:20 / 16:29 / 16:15 / 11:14
Es spielten: E. Scheibinger 5 Punkte /1 Dreier, S. Müller, 4, N. Happel 9, K. Steffen 2, P. Bantes, L. Lingnau 3/1, J. Blazic 8/2, L. Hilgenfeld 1, L. Räwer Tanguep 14, M. Middeler 22 / 14 Rebounds, L. Brand 3/1, J. Huppertz 7/1.

